KI für Anwälte: Gespräche dokumentieren, ohne die Verschwiegenheit zu riskieren
KI für Anwälte spart am meisten Zeit dort, wo gesprochen wird: im Mandantengespräch, in Besprechungen und bei der Aktennotiz. Die KI schreibt den Entwurf, du prüfst ihn. Hier steht, was das Berufsrecht dabei verlangt, was du bei einem Anbieter prüfen solltest und wie Kanzleien Klang einsetzen.
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Wo KI für Anwälte wirklich Zeit spart
Wenn von KI für Juristen die Rede ist, geht es oft um Recherche oder Schriftsatzentwürfe. Der Bereich, in dem sich am schnellsten Zeit sparen lässt, ist unspektakulärer: alles, was gesprochen wird und danach aufgeschrieben werden muss. Erstgespräch, Mandantentermin, Telefonat mit der Gegenseite, interne Fallbesprechung.
Bisher heißt das: mitschreiben, während man zuhört, oder hinterher diktieren und das Diktat abtippen lassen. Mit einer Aufnahme erstellt die KI das Transkript und einen Entwurf, den du prüfst und in die Akte übernimmst. Vier Einsatzfelder lohnen sich besonders:
- Mandantengespräch und Erstgespräch: Sachverhalt, Ziele des Mandanten, offene Unterlagen und vereinbarte nächste Schritte als Entwurf
- Aktennotiz nach Telefonaten: Wer hat wann was gesagt, inklusive Zusagen und Fristen
- Besprechungen im Team oder mit anderen Kanzleien: Ergebnisse, Zuständigkeiten und Fristen statt loser Notizen
- Suche über Gespräche hinweg: Fragen wie „Wann hat der Mandant den Vertrag zum ersten Mal erwähnt?“ an mehrere Aufnahmen zu einem Mandat stellen
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Was das Berufsrecht verlangt: § 43a, § 43e BRAO und § 203 StGB
Nach § 43a Abs. 2 BRAO bist du zur Verschwiegenheit verpflichtet, und zwar über alles, was dir in Ausübung deines Berufes bekannt geworden ist. Strafrechtlich abgesichert ist das in § 203 Abs. 1 Nr. 3 StGB: Wer als Rechtsanwalt ein anvertrautes fremdes Geheimnis unbefugt offenbart, riskiert Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.
Ein KI-Dienst, der Aufnahmen verarbeitet, ist ein Dienstleister im Sinne von § 43e BRAO. Du darfst ihm Zugang zu geschützten Informationen nur gewähren, soweit das für die Dienstleistung erforderlich ist. § 43e Abs. 2 verlangt eine sorgfältige Auswahl, § 43e Abs. 3 einen Vertrag in Textform mit drei Mindestinhalten:
- Verpflichtung des Dienstleisters zur Verschwiegenheit, mit Belehrung über die strafrechtlichen Folgen einer Pflichtverletzung (Nr. 1)
- Kenntnisnahme fremder Geheimnisse nur, soweit es zur Vertragserfüllung erforderlich ist (Nr. 2)
- Regelung, ob weitere Personen eingesetzt werden dürfen, und wenn ja, deren Verpflichtung zur Verschwiegenheit in Textform (Nr. 3)
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Ausland, Einwilligung und Datenschutz
Wird die Dienstleistung im Ausland erbracht, ist der Zugang nach § 43e Abs. 4 BRAO nur zulässig, wenn der Geheimnisschutz dort dem Schutz im Inland vergleichbar ist. Dient die Dienstleistung unmittelbar einem einzelnen Mandat, braucht es nach § 43e Abs. 5 BRAO zusätzlich die Einwilligung des Mandanten.
Die Vorschriften zum Schutz personenbezogener Daten bleiben nach § 43e Abs. 8 BRAO unberührt, daneben gilt also die DSGVO. Für einen Transkriptionsdienst heißt das in der Regel: Auftragsverarbeitungsvertrag, klarer Verarbeitungsort, Löschkonzept und Transparenz gegenüber den Betroffenen.
Und vor jeder Aufnahme: Wer das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen unbefugt aufnimmt, macht sich nach § 201 StGB strafbar. Kündige die Aufnahme deshalb vorher an und hol die Zustimmung aller Beteiligten ein, im Mandantengespräch genauso wie am Telefon.
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Was der BRAK-Leitfaden zum KI-Einsatz empfiehlt
Die Bundesrechtsanwaltskammer hat im Januar 2025 „Hinweise zum Einsatz von künstlicher Intelligenz“ veröffentlicht (Stand Dezember 2024). Der Leitfaden hat nur empfehlenden Charakter und ersetzt nicht die eigene Prüfung im Einzelfall. Drei Punkte daraus sind für Gesprächsprotokolle besonders wichtig.
Erstens: KI unterstützt, sie ersetzt die anwaltliche Arbeit nicht. Eine eigenverantwortliche Überprüfung und Endkontrolle der KI-Ergebnisse ist in jedem Fall erforderlich. Zweitens: Vertrauliche Mandanteninformationen dürfen nur unter den strengen Voraussetzungen von § 43e BRAO an KI-Anbieter gelangen. Für den Zugang genügt nach dem Leitfaden schon, dass der Anbieter die Möglichkeit zur Kenntnisnahme hat.
Drittens: Weil bei Anbietern mit Sitz in den USA nicht abschließend geklärt ist, ob der Schutz vergleichbar ist, sollten nach dem Leitfaden soweit möglich Anbieter mit Serverstandorten in Deutschland oder Europa bevorzugt werden. Eine berufsrechtliche Pflicht, Mandanten über den KI-Einsatz zu informieren, sieht der Leitfaden nach aktuellem Stand nicht, empfiehlt aber einen transparenten Umgang und im Zweifel eine vertragliche Regelung.
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So setzen Kanzleien Klang ein
Im Besprechungsraum nimmst du das Gespräch mit der Klang-App auf dem Smartphone auf. Bei Videoterminen in Teams, Zoom oder Google Meet nimmt der Klang-Assistent teil, nachdem du ihn aus dem Warteraum zugelassen hast. Telefonate mit Mandanten zeichnet die App im Pro-Tarif auf und transkribiert sie nach dem Auflegen.
Klang transkribiert auf Deutsch, kennzeichnet die Sprecher und erstellt eine Zusammenfassung mit Vereinbarungen und ToDos. Mit Wortlisten (Pro) bringst du Klang Namen, Kürzel und Fachbegriffe bei. Den Entwurf prüfst du, korrigierst ihn und exportierst ihn als Word-Datei in die Akte.
Für Kanzleien mit strengen Vorgaben gibt es den Team-Tarif: Private Cloud mit eigenem Schlüssel (BYOK) oder Betrieb in der eigenen Infrastruktur (On-Premise), dazu SSO, Audit-Logs, Zugriffssteuerung und eigene Aufbewahrungsfristen. In Skandinavien arbeiten unter anderem die Kanzleien Lindahl und Schjødt mit Klang.
Checkliste: KI-Tool für die Kanzlei prüfen
Diese Punkte solltest du bei jedem Anbieter klären, bevor ein echtes Mandantengespräch hochgeladen wird. In der rechten Spalte steht, wie Klang sie beantwortet:
| Prüfpunkt | Warum er zählt | Klang |
|---|---|---|
| Vertrag in Textform mit Verschwiegenheitsverpflichtung | § 43e Abs. 3 BRAO | AVV inklusive; Enterprise-AVV im Team-Tarif. Die Verpflichtung nach § 43e BRAO sprichst du im Vertragsgespräch an |
| Sitz des Anbieters und Verarbeitungsort | § 43e Abs. 4 BRAO, BRAK-Leitfaden, DSGVO | Klang AI AB, Schweden (EU); Verarbeitung und Speicherung in Europa |
| Keine Nutzung zum KI-Training | Need-to-know-Prinzip: Der Anbieter soll Mandatsinhalte nur für den Auftrag verwenden (BRAK-Leitfaden) | Aufnahmen werden nie zum Training von KI verwendet |
| Zugriffskontrolle und Nachvollziehbarkeit | Wer in der Kanzlei sieht welche Akte? | Verschlüsselte Arbeitsbereiche; Audit-Logs und Zugriffssteuerung im Team-Tarif |
| Eigene Schlüssel oder eigener Betrieb | Für Mandate, bei denen keine Cloud infrage kommt | Private Cloud mit BYOK oder On-Premise im Team-Tarif |
| Nachweise zur Informationssicherheit | Grundlage für die sorgfältige Auswahl nach § 43e Abs. 2 BRAO | ISO 27001:2022-zertifiziert |
Stand Oktober 2026. Die Tabelle ersetzt nicht deine eigene Prüfung im Einzelfall. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Beispiel: Aktennotiz zu einem Erstgespräch
So kann der Entwurf aussehen, den Klang aus der Aufnahme eines Erstgesprächs erstellt. Die Kanzlei, die Mandantin und der Sachverhalt sind erfunden:
- Termin
- Erstgespräch, 14. Oktober, 10:00–10:50 Uhr · Kanzlei Brandt & Partner · Teilnehmende: Frau Keller (Mandantin), RA Yilmaz, Frau Roth (Referendarin) · Aufnahme mit Zustimmung aller Beteiligten
- Sachverhalt
- Frau Keller hat ihrem Vermieter am 2. September wegen Schimmel im Schlafzimmer eine Mängelanzeige geschickt. Eine Reaktion ist bisher nicht erfolgt. Sie mindert seit Oktober die Miete um 15 Prozent.
- Ziel der Mandantin
- Beseitigung des Mangels; keine Kündigung riskieren.
- Vereinbart
- Frau Keller schickt Fotos, Mietvertrag und Mängelanzeige bis 18. Oktober. RA Yilmaz prüft die Höhe der Minderung und entwirft ein Schreiben an den Vermieter bis 25. Oktober.
- Offen
- Gutachten zur Schimmelursache ja oder nein, Entscheidung nach Sichtung der Fotos.
Für Kanzleien gebaut
Mandantengespräche dokumentieren, Daten in Europa
Klang ist eine europäische KI für Transkription und Gesprächsanalyse. Aufnahme vor Ort, im Videocall oder am Telefon, Entwurf auf Deutsch, Prüfung und Freigabe bei dir.
- Transkript auf Deutsch, Zusammenfassung und ToDos; Sprechererkennung im Pro-Tarif
- Verarbeitung und Speicherung in Europa, AVV inklusive
- Aufnahmen werden nie zum Training von KI verwendet
- Private Cloud mit BYOK oder On-Premise-Betrieb im Team-Tarif
Im Einsatz bei Kanzleien, Behörden und Hochschulen




Häufige Fragen
Dürfen Anwälte KI nutzen?
Ja. BRAO und BORA sind nach dem BRAK-Leitfaden technologieneutral, verbieten KI also nicht, gelten aber auch beim KI-Einsatz: Verschwiegenheit nach § 43a Abs. 2 BRAO, die Anforderungen an Dienstleister nach § 43e BRAO und die eigenverantwortliche Kontrolle jedes KI-Ergebnisses.
Darf ich ChatGPT mit Mandantendaten verwenden?
Der BRAK-Leitfaden rät, bei Sprachmodellen wie ChatGPT nur abstrakte Anfragen ohne Rückschluss auf ein Mandat zu stellen und Dokumente vorher vollständig zu anonymisieren. Mandatsgeheimnisse dürfen nur unter den Voraussetzungen von § 43e BRAO an einen Anbieter gelangen. Wer Mandantengespräche mit einem KI-Werkzeug protokolliert, braucht deshalb einen Anbieter, mit dem sich diese Voraussetzungen erfüllen lassen.
Darf ich ein Mandantengespräch aufzeichnen?
Grundsätzlich nur mit vorheriger Zustimmung aller Beteiligten. Das unbefugte Aufnehmen des nichtöffentlich gesprochenen Wortes ist nach § 201 StGB strafbar. Kündige die Aufnahme zu Beginn an, nenne den Zweck und dokumentiere die Zustimmung, am besten gleich in der Aufnahme.
Muss ich Mandanten über den KI-Einsatz informieren?
Eine ausdrückliche berufsrechtliche Pflicht sieht der BRAK-Leitfaden nach aktuellem Stand nicht. Er empfiehlt aber einen transparenten Umgang und im Zweifel eine vertragliche Regelung. Wenn du ein Gespräch aufnimmst, ist die Information ohnehin nötig, weil du die Zustimmung brauchst.
Brauche ich die Einwilligung des Mandanten nach § 43e Abs. 5 BRAO?
§ 43e Abs. 5 BRAO verlangt die Einwilligung, wenn die Dienstleistung unmittelbar einem einzelnen Mandat dient. Ob ein allgemein in der Kanzlei eingesetztes Transkriptionswerkzeug darunter fällt, solltest du für deine Kanzlei klären. Wer ohnehin die Zustimmung zur Aufnahme einholt, kann die Einwilligung zur Verarbeitung gleich mit abfragen.
Ersetzt Klang die Diktiersoftware?
Für Diktate kannst du die Browser-Aufnahme oder die App verwenden und erhältst den Text auf Deutsch. Der größere Unterschied liegt bei Gesprächen mit mehreren Personen: Klang unterscheidet die Sprecher und erstellt eine Zusammenfassung mit Vereinbarungen und ToDos, die eine reine Diktierlösung in der Regel nicht liefert.
Ist diese Seite eine Rechtsberatung?
Nein. Sie fasst die einschlägigen Vorschriften und den BRAK-Leitfaden zusammen, Stand Oktober 2026. Ob ein bestimmter KI-Einsatz in deiner Kanzlei zulässig ist, musst du im Einzelfall selbst beurteilen.